Seit 1848 galt in Österreich das Zensuswahlrecht; wahlberechtigt waren grundsätzlich nur Männer, die entweder eine bestimmte Mindeststeuerleistung (10 Gulden) erbrachten oder bestimmten Berufsgruppen (Priester, höhere Beamte, Offiziere, Ärzte, Juristen, Professoren u.ä.) angehörten. Diese Wahlberechtigten waren in vier Gruppen – den sogenannten "Kurien" – mit abgestuftem Stimmengewicht eingeteilt, was dazu führte, dass im Jahre 1880 nur 3,5% der Wiener Bevölkerung überhaupt wahlberechtigt waren...
1882 wird die Mindeststeuerleistung auf 5 Gulden herabgesetzt, was nichts daran ändert, dass ein großer Teil der erwachsenen Bevölkerung weiterhin vom Wahlrecht ausgeschlossen bleibt. Der Kampf um das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht steht deshalb viele Jahre lang im Zentrum der politischen Aktivitäten der Sozialdemokratie.
1894 fordert der Parteitag der Sozialdemokraten die Errichtung einer fünften Kurie für alle Männer ab dem 24. Lebensjahr, die schreiben und lesen können, einer ständigen Beschäftigung nachgehen oder eine direkte Steuer bezahlen. Am 18. Oktober 1894 wird auf einer Massenversammlung das allgemeine Wahlrecht gefordert. Sicherheitsorgane gehen mit Gewalt gegen die Arbeiter vor; es gibt zahlreiche Verletzte und Verhaftungen. |